2. Bremen Türkiye Sinema Günleri
Türkei-Filmtage Bremen
06 Kasým 1997
Düzenleyen
Türkiye Sinema Günleri Çalýþma Grubu
Kino 46, Waller- Heerstr. 46, 28217 Bremen
Nachrichten aus der Filmwüste
Heute beginnen im Kino 46 die 2. Türkei-Filmtage / Sechs Filme contra Hollywood
Crichton-Verfilmungen? Oaa. Grisham-Verfilmung? Oaaaa. Hera Lind-Verfilmungen?
Genug davon. Wie wäre es mal mit der Bebilderung des „großen“persischen
Sufidichters des Mittelalters, Fariduddin Attar? Geht natürlich kein Hollywood-Filmstudio
an, sehr wohl aber der Türke Ömer Kavur - und erntete mit seinem Film „Gizli
yüz“immerhin den notorischen Insider-Preis der Internationalen Kritik der
Filmfestspiele Venedig 1991.
Das Wort „multikulturell“ist in 3,6 Sekunden ausgesprochen, mit ein paar Wochen
Streitarbeit kann es schon mal in ein Parteiprogramm hineingehievt werden, doch
seine Realisierung ist schwierig und langwierig. Der Ausländer als Abstraktum
ist unser Freund, sein unverstehbares Quasseln in der Straßenbahn aber für viele
immer noch eine Belästigung, noch dazu, wenn es vergnüglich wirkt. Auf einer
sehr elementaren Ebene setzt die Verunsicherung ein. Welches Medium wäre
geeigneter sie aufzulösen als der Film. Er wühlt sich unmittelbar in jede
Körperlichkeit hinein: die Ober- und Untertöne beim Sprechen, die Falten der
Mundwinkel, die Bewegungen der Finger, der ganze Bodensatz der kulturellen
Kodierungen.
Die „Türkei-Filmtage“des Kino 46 bieten also für alle Deutschen die Chance der
nahen Begegnung auf Distanz. Und der Bildung. Wer weiß schon, daß das Istanbul
des 17. Jahrhunderts von einem bisexuellen Sultan regiert wurde? Daß sich dieser
Murad IV. in einen blutrünstigen Moralwächter verwandelte? Daß sich der
Totalernüchterte dennoch auf einen systemsprengenden Flirt mit der Wissenschaft
einließ? Geschichtchen aus der Geschichte, die in der Türkei jedes Schulkind
kennt. Mustafa Altioklars „Istanbul unter meinen Flügeln“füllt solche
Wissenslücken mit bunten Kostümbildern. Jenseits seiner karamelsüßen Ästhetik
setzt sich der Film mit derselben Heftigkeit für die Freiheit des
wissenschaftlichen Spekulierens ein wie Brecht in seinem Galileo Galilei: So
furchtbar weit liegen die Probleme von Westeuropa und der Türkei nicht
auseinander; ein paar Jahrzehnte eben. In der zuckrigen Optik des Films wird
sein Feind sichtbar: Hollywood.
In den 60er und 70er Jahren spuckte die türkische Filmwirtschaft bis zu 300
Filme pro Jahr aus; angeblich auch mit Nähe zu den westeuropäischen
Avantgardebewegungen wie der Nouvelle vague. Und was in der Türkei Kinogehen
sich nannte, war etwas ganz anderes als hierzulande. Aber auch die Türken
verfielen dem amerikanischen Kino. Nur noch circa vier Filme pro Jahr werden in
der heutigen Türkei produziert. Aufgrund dieser Notlage haben sich sieben
türkische Produzenten zusammengeschlossen, um mit vereinten finanziellen Kräften
wenigstens zwei Filme stemmen zu können. Ein Ergebnis: „Böcek“von Ümit Elci,
eine Studie über die Geburt der Gewalt aus dem Berufsfrust.
Dieser Film oder auch Kadir Sözens „Winterblume“, über das Elend der Abschiebung
ist natürlich auch und besonders für Türken in Deutschland interessant. Bei den
ersten Türkei-Filmtagen vor zwei Jahren kam es denn auch in der Kinokneipe zu
vielen Gesprächen zwischen Deutschen und Türken zum Aufhellen von Dunkelstellen
in den Filmen: Ist es wirklich so bei euch? Oder ganz anders?
Nur logisch, daß diese Kinowoche nicht in gönnerhaftem Alleingang konzipiert
wurde, sondern in Zusammenarbeit mit Medya Göckusagi (Media Regenbogen), die
jeden zweiten Donnerstag in jedem zweiten Monat auf Frequenz 92,5 in Bremen
konsequent antinationalistisch Radio senden.
Nur allzu gelegen kommt es, daß zur Zeit ein türkischer Film in Deutschland
reüssiert, zwar eher bei der Presse als beim deutschen Publikum, aber immerhin.
„Eskiya“, die Geschichte vom Stolz des alten Banditen flackert bei den Filmtagen
im Dienste des Stolzes der Türken in Deutschland BK
Programm siehe KINOTAZ. Am 7. November um 19 Uhr spielt die „Fuat Saka & Band“im
Kino